Juckreiz lindern bei Histamin-Intoleranz? [Ratgeber]

Wenn nach dem Essen rote Flecken am Hals und im Gesicht entstehen, wenn die Haut brennt und juckt – dann ist womöglich eine Histamin-Unverträglichkeit die Ursache. Doch wie kommt es zu dem bei einer Histamin-Intoleranz typischen Juckreiz, und wie kann man diesen lindern? Dies und vieles mehr erfährst du in diesem Ratgeber unserer Kategorie „Gut zu wissen“.

Frauenhand kratzt sich am Hals, juckende Haut bei Histamin-Intoleranz (histaminta.de)
Hautrötungen und Juckreiz, u.a. im Halsbereich, zählen zu den häufigsten Symptomen einer Histamin-Intoleranz.

Zu „Wie kann man akute Symptome verringern?“ springen oder weiterlesen:

Wo juckt es bei Histamin-Intoleranz?

Bei einer Histamin-Intoleranz kann es zu plötzlichen Hautrötungen vor allem im Gesicht (sogenannter Flush), am Dekolleté und Hals kommen. Oft begleitet von einem starken Juckreiz, da diese Hautpartien sehr empfindlich sind. Auch juckende Quaddeln treten häufiger auf, manchmal sogar am ganzen Körper. Diese kleinen Schwellungen (Wassereinlagerungen) sind an der Oberfläche oft rötlich, teilweise auch weiß mit roter Umrandung. Man spricht auch von Nesselsucht. Etwa 10 Prozent der Betroffenen entwickeln tiefergehende, schmerzhafte Schwellungen im Gesicht oder an Füßen und Händen, sogenannte Angioödeme.

Der trockene Hautauschlag, der Juckreiz und die Nesselsucht verschwinden normalerweise nach spätestens einem Tag wieder, ohne Narben oder andere Spuren zu hinterlassen – sofern man die Ursachen dafür beseitigt. Mehr dazu erfährst du hier>

Warum juckt es bei einer Histamin-Intoleranz?

Bei einer Histamin-Intoleranz funktionieren im Verdauungssystem bestimmte Enzyme, wie die Diaminoxidase (DAO), nicht ordnungsgemäß. Deren Aufgabe ist es eigentlich, Histamin und ihm verwandte Stoffe (biogene Amine) im Darm abzubauen. Besteht jedoch ein Mangel dieser Enzyme, bleibt zu viel Histamin erhalten – und bereitet den Betroffenen Probleme.

Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter auch Juckreiz. Vor allem während und nach dem Verzehr histaminreicher Speisen (z.B. Rotwein, Parmesan, Salami, Räucher­fisch, Hefeweizen-Bier, Erdnüsse) bekommen einige Menschen rote Flecken oder juckende Quaddeln im Gesicht und am Körper.

Weitere Faktoren können den Juckreiz zusätzlich verstärken, z.B.:

  • Medikamente
  • Stress
  • Hormonstörungen
  • UV-Strahlung
  • thermische Reize (z.B. hohe Raumtemperatur)
  • Hauttrockenheit
  • Umweltallergene
  • Schweiß
  • hautreizende Kleidung
  • heiße Getränke
  • scharf gewürzte Speisen
  • Alkohol

Hauptsächlich ist es aber das Histamin, welches als Botenstoff – wie bei einer Brennnessel-Berührung oder einem Insektenstich – den Juckreizmechanismus in Gang setzt. Histamin wird in bestimmten Zellen des Immunsystems gespeichert, den Mastzellen. Die Mastzellen sind wichtige Schaltstellen bei der körpereigenen Abwehr gegen vermeintlich gefährliche Fremdstoffe. Werden sie aktiviert, platzen sie auf und setzen dabei u.a. Histamin frei sowie weitere Substanzen, die einen massiven Juckreiz auslösen.

Das Histamin führt zu einer Freisetzung von Stickstoffmonoxid, welches die Blutgefäße weitet. Durch die gesteigerte Durchblutung rötet und erwärmt sich die Haut. Im Gesicht wird dieses Phänomen als „Flush“ bezeichnet.

Quaddeln und Nesselsucht im Gesicht eines Kindes / kleinen Jungen. Juckreiz bei Histamin-Intoleranz (histaminta.de)
Nesselsucht im Gesicht eines kleinen Jungen.

Ein weiteres Symptom sind Quaddeln: kleine Schwellungen der Haut, die häufig eng beieinanderstehen. Quaddeln können entstehen, wenn Blutgefäße in der Haut durch eine erhöhte Histaminkonzentration durchlässiger werden und mehr Wasser eindringt. Diese Nesselsucht kann am ganzen Körper auftreten. Die Haut über den Quaddeln ist sehr empfindlich und juckt stark. Kratzt man sich die juckenden Stellen auf, kann sich die trockene und gereizte Haut leicht entzünden.

Auch juckende Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Akne oder Rosazea können sich durch den Überschuss an Histamin, wie er bei einer Histamin-Intoleranz rasch entsteht, noch verschlimmern.

Über die beschriebenen Hautprobleme hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Symptome einer Histamin-Intoleranz. Einen Überblick bietet dir dieses Schaubild:

Übersicht über die möglichen Symptome bei einer Histamin-Intoleranz - Grafik (histaminta.de)

15 Tipps gegen Juckreiz bei Histamin-Intoleranz

Hautprobleme bei Histamin-Intoleranz, z.B. Juckreiz, Flush oder Quaddeln, können sehr belastend sein. Aber es gibt Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und zu kontrollieren durch eine histaminarme Ernährung, stressreduzierende Maßnahmen und eine angepasste Hautpflege:

  1. Lebensmittel naturbelassen (unverarbeitet) und frisch konsumieren, keine Fertiggerichte verwenden, selbst kochen! Speisereste gut verpacken, kühlen und möglichst schnell aufbrauchen. Welche Zutaten histaminarm sind, zeigen dir unsere Lebensmitteltabellen>
  2. Fisch und Fleisch nur frisch kaufen und verzehren, ansonsten darauf verzichten. Lange gereifte Lebensmittel (z.B. Hartkäse, Schinken oder Rohwurst) oder fermentierte Speisen (Sauerkraut, eingelegte Gurken) meiden – diese enthalten besonders viel Histamin. Auch Lebensmittel, die biogene Amine enthalten (z.B. bestimmte Käsesorten oder Wein), sind mit Vorsicht zu genießen, ebenso wie allergiefördernde Lebensmittel (Milchprodukte, Soja, Nüsse, Weizen), die Hautprobleme und Juckreiz auslösen oder verstärken können.
  3. Auf sogenannte Histaminliberatoren, die Histamin im Körper freisetzen können (wie Tomaten, Avocado, Bananen, Essig, Zitrus- und Hülsenfrüchte oder Erdbeeren), reagieren Menschen mit Histamin-Intoleranz unterschiedlich. Hier sollte man zunächst die eigene Toleranzgrenze austesten.
  4. Alkoholische Getränke höchstens in Maßen und bei besonderen Anlässen konsumieren, da Alkohol zu den Histaminliberatoren zählt und die Histamin-Aufnahme im Darm fördert.
  5. Auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee verzichten – Koffein blockiert den Abbau von Histamin.
  6. Viel Wasser trinken – Wasser ist ein natürliches Antihistaminikum.
  7. Medikamente wie DAOSin* und Antihistaminika immer dabeihaben, um Juckreiz und andere Symptome einer Histamin-Intoleranz zu verringern oder zu vermeiden.
  8. Bei Einnahme von Medikamenten vorher prüfen, ob diese den Histaminabbau stören. Welche Medikamente mit HIT problematisch sind, erfährst du hier>
  9. Ausreichend schlafen und Stress reduzieren, da beides die Freisetzung von Histamin im Körper fördert und so Hautprobleme triggert. Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder autogenes Training in den Alltag integrieren. Hier kannst du nachlesen, wie Stress deine Histamin-Intoleranz beeinflusst>
  10. Den Körper ausreichend mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgen.
  11. Milde, hypoallergene (allergenfreie) Hautpflegeprodukte verwenden, welche die Haut nicht reizen und am besten Naturkosmetik (weniger Zusatzstoffe). Kokosöl ist ein natürliches Mittel gegen Juckreiz und Rötungen.
  12. Vermeide Make-up, da es deine Poren verstopft und zu weiteren Hautreizungen führen kann. Auch Duftstoffe sind problematisch, z.B. in Parfüm, Weichspülern, chemischen Waschmitteln oder ätherischen Ölen.
  13. Beim Baden, Duschen und Waschen den Körper ohne starkes Reiben abtupfen, da sonst die bereits vorgeschädigte Haut noch stärker verletzt und abgelöst wird.
  14. Bei bestehenden Hautproblemen häufiger weiche, luftige Kleidung (z.B. aus Baumwolle) tragen und weniger Wolle oder synthetischen Materialien.
  15. Wenn der Juckreiz trotz dieser Maßnahmen weiter besteht oder sich verschlimmert, ist es ratsam, einen Facharzt (Allergologe, Dermatologe) aufzusuchen. Dieser kann weitere Untersuchungen durchführen und individuelle Behandlungsmöglichkeiten empfehlen, um den Juckreiz bei Histamin-Intoleranz (oder anderen Ursachen) zu lindern.

Wie kann man akute Symptome einer Histamin-Intoleranz verringern?

Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Histaminmenge im Körper so hoch, dass die Symptome überhandnehmen. Das können beispielsweise Herz-Kreislauf-Beschwerden sein, Durchfälle, starke Kopfschmerzen oder Erschöpfungs- und Müdigkeitszustände.

In diesem Fall braucht es einen Notfallplan, der schnell Linderung verschafft. Folgendes könnt Ihr tun:

  • Viel stilles Wasser trinken, weil Wasser ein natürliches Antihistaminikum ist.
  • Vitamin C als Pulver in Wasser gelöst einnehmen. So ist eine schnellere Aufnahme garantiert. Vitamin C unterstützt den Histaminabbau.
  • Ein Antihistaminikum einnehmen.

Wenn die Symptome nicht besser werden oder sich noch weiter verschlechtern, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden!

Die 13 wichtigsten Tipps bei einer Histamin-Intoleranz. Erfahre mehr…