Was ist eine Histamin-Intoleranz? [Ratgeber]

Eine Histamin-Intoleranz wird auch als Histaminose, Histamin-Unverträglichkeit oder Histamin-Abbaustörung bezeichnet. Von einer Histamin-Intoleranz spricht man immer dann, wenn der Körper Histamin nicht mehr ausreichend abbauen kann und mit Unverträglichkeitssymptomen reagiert. Ganz selten ist diese Abbaustörung seit Geburt an vorhanden. Oft wird eine Intoleranz im Laufe des Lebens durch zahlreiche Faktoren entwickelt, die zu einem Ungleichgewicht im Körper geführt haben. Was sich sonst noch hinter einer Histamin-Intoleranz verbirgt und was man unbedingt darüber wissen sollte, erfährst du in diesem Beitrag unserer Kategorie „Gut zu wissen“.

Übersicht über die möglichen Symptome bei einer Histamin-Intoleranz - Grafik (histaminta.de)
Die Symptome bei einer Histamin-Unverträglichkeit können sehr vielschichtig sein.

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Wie lange dauert eine Reaktion auf Histamin?

Die Dauer, bis der Körper auf Histamin reagiert, ist bei jedem Betroffenen unterschiedlich. Bei manchen dauert es eine Stunde bis zur ersten Reaktion, andere wiederum haben erst am nächsten Tag Probleme. Ausschlaggebend dabei ist auch, wie viel Histamin bereits im Körper vorhanden ist. Je mehr histaminreiche Speisen man intus hat, desto heftiger fällt in der Regel auch die Reaktion aus.

Wie kommt es zu einer Diagnose bei Histamin-Intoleranz?

Die Diagnose einer Histamin-Intoleranz gestaltet sich meist schwierig. Denn es gibt keinen Test, der zu 100% bestätigen kann, ob man eine Histamin-Unverträglichkeit hat oder nicht. Und es gibt keinen allgemeinen Grenzwert, an dem man sich dabei orientieren könnte. Auch reagiert jeder Betroffene unterschiedlich und hat seine eigene Toleranzgrenze bei Histamin.

Tafel mit Arzt Stetoskop und Aufschrift "Histamin". Eine Diagnose einer Histamin-Intoleranz gestaltet sich oft schwierig (histaminta.de)
Die Diagnose einer Histamin-Intoleranz ist nicht einfach.

Meist wird das Enzym Diaminoxidase (kurz DAO) im Blut gemessen, um eine Diagnose zu stellen. Dieser Wert ist aber unsicher, da er sehr stark schwankt und von vielen Faktoren abhängt, z.B. von Schlaf, Stress und der Nahrungsaufnahme. Auch zeigt dieser Wert nicht an, ob im Darm zu wenig DAO gebildet wird. Gleiches gilt für die Messung von Histamin im Stuhl.

Am besten geeignet ist ein Verzicht auf histaminreiche Lebensmittel über mehrere Wochen. Wenn die Symptome beim Weglassen stark histaminhaltiger Speisen weniger werden oder komplett verschwinden, kann man von einer Histamin-Intoleranz ausgehen. Außerdem hilft ein Ernährungstagebuch, in dem notiert wird, welche Symptome bei welchem Lebensmittel aufgetreten sind.

Was ist eigentlich Histamin?

Biochemisch gesehen, ist Histamin ein biogenes Amin, das durch die Aminosäure L-Histidin gebildet wird. L-Histidin selbst kann nur bedingt durch den Körper erzeugt werden, ist aber nahezu in allen Lebensmitteln zu finden. Somit steht es dem Körper jederzeit zur Verfügung. L-Histidin ist an vielen Abläufen im Körper beteiligt und u.a. für den Sauerstofftransport sowie die Pufferung des pH-Wertes im Blut sehr wichtig. Durch die Abspaltung von Kohlendioxid (Decarboxylierung) wird aus der Aminosäure L-Histidin das Gewebshormon Histamin hergestellt. Für diesen Vorgang ist aktives Vitamin B6 als Hilfsstoff notwendig.

Schwarze Tafel, Umwandlung Histidin in Histamin, Grafik (histaminta.de)
Die Umwandlung von Histidin in Histamin erfolgt mit Hilfe von Vitamin B6 durch das Enzym „Histidin-Decarboxylase“.

Histamin spielt bei der Abwehr unseres Immunsystems eine zentrale Rolle. Es sorgt dafür, dass Flüssigkeit ins betroffene Gewebe eintritt und es zu Entzündungsreaktionen kommt. Dies ist wichtig, um Eindringlinge zu beseitigen. Auch bei allergischen Reaktionen gegen Pollen oder Nahrungsmittel wird Histamin ausgeschüttet. Große Mengen an Histamin können starke Symptome wie Übelkeit, Magen-Darm-Probleme und Kopfweh hervorrufen.

Damit Histamin im Körper eine Reaktion auslösen kann, muss es an einer Körperzelle mit Histamin-Rezeptor andocken. Bisher sind vier verschiedene Rezeptortypen bekannt, die unterschiedlich auf die Zellen und somit auf den Körper wirken. Unter anderem sorgen Antihistaminika dafür, dass Histamin nicht mehr an diese Rezeptoren andocken kann.

Woher kommt das Histamin im Körper?

Unser Körper kann Histamin selbstständig bilden. Diese Aufgabe übernehmen die zum Immunsystem gehörigen Mastzellen. Aber Histamin ist auch in fast allen Lebensmitteln enthalten.

Histamin in Lebensmitteln

Bei der Diagnose Histamin-Intoleranz wird in erster Linie auf den Verzicht von histaminhaltigen Lebensmitteln verwiesen. Das ist auch richtig und wichtig, um das Histamin im Körper zu senken und Symptome zu lindern. Wenn man auf der sicheren Seite sein möchte, kauft und kocht man am besten alles frisch. Lebensmittel die lange gelagert wurden (z.B. gereifter Käse oder Wurst), fermentiert sind (Sauerkraut, saure Gurken) oder als Fertigprodukt angeboten werden, haben hohe Histamin-Werte und sollten vermieden werden.

Es gibt auch Lebensmittel, die selbst nur wenig Histamin enthalten und dafür sorgen, dass Histamin vermehrt im Körper freigesetzt wird. Diese werden als Histaminliberatoren bezeichnet. Dazu zählen Schokolade, Meeresfrüchte, Nüsse oder Alkohol, aber auch einige Obst- und Gemüsesorten wie Zitrusfrüchte, Bananen, Erdbeeren oder Tomaten.

Histaminhaltige Lebensmittel sollten bei einer Histamin-Intoleranz möglichst nicht auf dem Speiseplan stehen.

Die wichtigsten Tipps zu Obst- und Gemüse, Fleisch, Fisch und Milchprodukten und weiteren Speisen findest du im Bereich Lebensmittel bei Histamin-Intoleranz.

Histamin in Mastzellen

Histamin ist für viele Prozesse im Körper wichtig. So ist es nur logisch, dass der Körper Histamin auch selbstständig bilden kann. Histamin wird zum einen in Mastzellen der Haut, Schleimhäuten, Lunge und Bronchien, Gehirn, Magen-Darm-Trakt sowie in Gebärmutter und Eierstöcken produziert. Mastzellen sind Zellen des Immunsystems, die beim Eindringen von Schadstoffen in den Körper große Mengen an Histamin freisetzen. Das Spurenelement Zink ist dafür zuständig, dass Histamin in den Mastzellen festgehalten und nicht willkürlich freigesetzt wird. Deshalb geht man davon aus, dass die Einnahme von Zink bei einer Histamin-Intoleranz notwendig ist.

Auch bei Gelenkschmerzen jeglicher Art spielen die Mastzellen eine zentrale Rolle. Mastzellen sitzen auch in den Gelenksgeweben, wo sie bei einer vermehrten Freisetzung von Histamin Entzündungen und Gelenkschmerzen auslösen können.

Mastzelle (Mikroskop-Aufnahme) setzt Histamin aufgrund einer allergischen Reaktion frei. (histaminta.de)
Mastzellen setzen während einer allergischen Reaktion Histamin frei.

Histamin im Gehirn

Auch im Gehirn wird Histamin von Nerven- und Mastzellen des Hypothalamus gebildet. Hier wirkt Histamin als Neurotransmitter auf viele Funktionen: Histamin regelt Lernfähigkeit und Gedächtnis, Belohnung, Hunger und Durst, Angst und Anspannung, Konzentration und Körpertemperatur.

Sehr interessant ist, dass Histamin im Gehirn bei der Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist. So sollte man bei Schlafproblemen darauf achten, abends keine histaminhaltigen Lebensmittel zu essen, da Histamin den Körper wachhält. Auch können Antihistaminika bei Schlafstörungen helfen, da sie die Histamin-Rezeptoren blockieren und Histamin nicht mehr andocken kann.

Wie kommt es zu einer Histamin-Intoleranz?

Es gibt zahlreiche Faktoren, die zu einer Histamin-Intoleranz führen können. Die 9 wichtigsten sind:

  1. Durch einen Mangel der Enzyme Diaminoxidase (kurz DAO) und Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) ist der Histaminabbau nicht mehr ausreichend.
  2. Zink-Mangel: Dadurch setzen Mastzellen vermehrt Histamin frei (erfahre mehr über die wichtigsten Vitamine & Mineralstoffe bei Histamin-Intoleranz).
  3. Einwirkung freier Radikale (Zigarettenrauch, UV-Strahlung, Umweltgifte, Hitze).
  4. Einnahme von Medikamenten (z.B. Diclofenac, Muskelrelaxantien).
  5. Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln, die zu einer vermehrten Histamin-Freisetzung führen.
  6. Histaminhaltige Lebensmittel (u.a. Rotwein, Käse oder Schokolade).
  7. Stress.
  8. Zu wenig Schlaf.
  9. Hormonelle Schwankungen (z.B. hormonelle Verhütung abgesetzt, Wechseljahre).

Wie kann man akute Symptome einer Histamin-Intoleranz verringern?

Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Histaminmenge im Körper so hoch, dass die Symptome überhandnehmen. Das können beispielsweise Herz-Kreislauf-Beschwerden sein, Durchfälle, starke Kopfschmerzen oder Erschöpfungs- und Müdigkeitszustände.

In diesem Fall braucht es einen Notfallplan, der schnell Linderung verschafft. Folgendes könnt Ihr tun:

  • Viel stilles Wasser trinken, weil Wasser ein natürliches Antihistaminikum ist.
  • Vitamin C als Pulver in Wasser gelöst einnehmen. So ist eine schnellere Aufnahme garantiert. Vitamin C unterstützt den Histaminabbau.
  • Ein Antihistaminikum einnehmen.

Wenn die Symptome nicht besser werden oder sich noch weiter verschlechtern, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden!

Die 13 wichtigsten Tipps bei einer Histamin-Intoleranz. Erfahre mehr…